Blutabnahme: nüchtern und richtig vorbereitet
Auf dem Laborzettel steht „bitte nüchtern erscheinen“ – doch was heißt das genau? Dieser Ratgeber erklärt, wie lange Sie vor einer Blutabnahme nichts essen sollten, was Sie trinken dürfen und welche Werte überhaupt auf Mahlzeiten reagieren. Dazu Tageszeit, Sport, Alkohol, Medikamente und der Ablauf im Behandlungszimmer.

Auf einen Blick
- Nüchternzeit
- 8 Stunden, für Blutfette 12 Stunden
- Erlaubt
- Wasser und ungesüßter Tee
- Beste Uhrzeit
- zwischen 7 und 9 Uhr morgens
- Alkohol und Sport
- mindestens 24 Stunden vorher meiden
Inhaltsverzeichnis
- Was bedeutet „nüchtern“ bei der Blutabnahme?
- Welche Blutwerte brauchen Nüchternheit – und welche nicht?
- Referenzwerte für nüchtern bestimmte Blutwerte
- Die richtige Tageszeit für die Blutabnahme
- Sport, Alkohol und Ernährung in den Tagen davor
- Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel
- So läuft die Blutabnahme ab
- Präanalytik: Warum die Vorbereitung über die Qualität entscheidet
- Angst vor der Nadel: was wirklich hilft
- Nach der Blutabnahme: worauf Sie achten sollten
- Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten
- Fazit: Gute Vorbereitung ist die halbe Diagnostik
Auf dem Laborzettel steht oft nur ein kurzer Satz: „Bitte nüchtern erscheinen.“ Was genau damit gemeint ist, bleibt meistens offen. Reichen acht Stunden oder müssen es zwölf sein? Zählt der schwarze Kaffee auf dem Weg zur Praxis? Und was ist mit den Tabletten, die morgens fällig sind?
Die Antworten sind einfacher, als viele befürchten – und wichtiger, als es zunächst wirkt. Wie Sie sich auf eine Blutentnahme vorbereiten, beeinflusst messbar, welche Zahlen später auf Ihrem Befund stehen. Dieser Ratgeber erklärt, was nüchtern in der Labormedizin bedeutet, welche Werte tatsächlich betroffen sind, welche Rolle Tageszeit, Sport, Alkohol und Medikamente spielen und wie der Ablauf im Behandlungszimmer aussieht. Die Bewertung Ihrer Ergebnisse erfolgt immer ärztlich.
Was bedeutet „nüchtern“ bei der Blutabnahme?
Nüchtern heißt in der Labormedizin: Sie haben über einen festgelegten Zeitraum vor der Blutentnahme nichts gegessen und außer Wasser nichts getrunken. Üblich sind 8 bis 12 Stunden Nahrungskarenz (Karenz = bewusstes Weglassen). Diese Spanne ist kein willkürlicher Wert, sondern der Zeitraum, in dem der Stoffwechsel eine normale Mahlzeit weitgehend verarbeitet hat.
Nach dem Essen verändert sich die Zusammensetzung des Blutes für Stunden. Der Blutzucker steigt innerhalb von 30 bis 60 Minuten, die Blutfette (Triglyzeride) erreichen ihren Höchststand erst 3 bis 4 Stunden später, und auch Kalium oder einzelne Hormone schwanken. Ein Wert aus dieser Phase ist nicht „falsch“ – er beschreibt aber einen anderen Zustand als jenen, für den die Referenzbereiche gelten.
- Wasser, still oder mit Kohlensäure, in normaler Menge und ungesüßt
- Ungesüßter Kräuter- oder Früchtetee, wenn Sie auf etwas Warmes nicht verzichten möchten
- Ihre regelmäßig verordneten Medikamente, sofern die Praxis nichts anderes bespricht
- Zähneputzen – Zahnpasta wird nicht in relevanter Menge verschluckt
8 oder 12 Stunden – wie lange ist nüchtern genug?
Für die allermeisten Untersuchungen genügen 8 Stunden. Nur wenn die Blutfette im Mittelpunkt stehen, werden traditionell 12 Stunden empfohlen, weil Triglyzeride am längsten nachwirken. Deutlich länger als 14 bis 16 Stunden sollten Sie dagegen nicht fasten: Der Körper stellt dann verstärkt auf Fettverbrennung um, freie Fettsäuren und Ketonkörper steigen – auch das verändert Messergebnisse.

Praktisch heißt das: Liegt Ihr Termin um 8 Uhr, essen Sie am Vorabend spätestens gegen 20 Uhr zu Abend. Ein normales Abendessen ist völlig in Ordnung; ein Verzicht auf sehr Fettiges und auf Alkohol macht die Probe zusätzlich sauberer.
Kaffee, Kaugummi, Zigaretten: die Grauzonen
Schwarzer Kaffee ohne Milch und Zucker enthält kaum Kalorien, gilt in vielen Praxen aber trotzdem als nicht nüchtern. Der Grund ist das Koffein: Es kann Blutzucker, Blutdruck und einzelne Hormone kurzfristig verändern. Sicher sind Sie deshalb nur mit Wasser.
- Kaffee und schwarzer Tee: besser weglassen, auch ungesüßt und ohne Milch
- Kaugummi und Bonbons: nicht nüchtern – sie regen Speichelfluss und Insulinausschüttung an, auch in der zuckerfreien Variante
- Rauchen: mindestens eine Stunde vorher pausieren, Nikotin verengt die Gefäße und beeinflusst die weißen Blutkörperchen
- Alkohol: am Vorabend meiden, vor Leberwertkontrollen besser 24 bis 48 Stunden
Welche Blutwerte brauchen Nüchternheit – und welche nicht?
Nur ein kleiner Teil aller Laborwerte reagiert überhaupt empfindlich auf eine Mahlzeit. Ob Nüchternheit nötig ist, hängt deshalb von der Fragestellung ab: Wer zum Blutbild kommt, muss in aller Regel nicht hungern; wer den Nüchternblutzucker bestimmen lässt, sehr wohl.
| Untersuchung | Nüchtern nötig? | Empfohlene Karenz | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Nüchternblutzucker (Glukose) | Ja | 8 Stunden | Grundlage der Diabetes-Diagnostik |
| Triglyzeride | Ja | 12 Stunden | Reagieren am stärksten auf Mahlzeiten |
| Gesamt-, LDL- und HDL-Cholesterin | Meist nicht zwingend | 0 bis 12 Stunden | Je nach Vorgabe der Praxis |
| Kleines und großes Blutbild | Nein | – | Zellzahlen ändern sich kaum |
| HbA1c | Nein | – | Bildet 8 bis 12 Wochen ab |
| TSH und Schilddrüsenwerte | Nein | – | Morgens abnehmen, Tagesrhythmus beachten |
| Serumeisen und Transferrinsättigung | Ja, empfohlen | 8 Stunden | Stark tageszeit- und mahlzeitabhängig |
| Leber- und Nierenwerte | Nein | – | Alkoholkarenz wichtiger als Nahrungskarenz |

Beim Cholesterin hat sich die Praxis gewandelt: Europäische Fachgesellschaften halten eine nicht-nüchterne Bestimmung in der Routine inzwischen für ausreichend, weil sich LDL- und Gesamtcholesterin nach dem Essen kaum ändern. Bei sehr hohen Triglyzeriden bleibt die nüchterne Messung Standard. Mehr dazu im Beitrag Cholesterin: LDL, HDL und Triglyzeride.
Werte, die von der letzten Mahlzeit unabhängig sind
Zellzahlen sind robust. Rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen lassen sich zu jeder Tageszeit bestimmen; welche Parameter dazugehören, zeigt der Ratgeber Kleines und großes Blutbild verstehen. Auch der HbA1c – der Langzeitblutzucker ist unabhängig vom Frühstück, weil er den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen acht bis zwölf Wochen abbildet. Ähnliches gilt für Entzündungsmarker wie das CRP und für die meisten Gerinnungswerte.
Referenzwerte für nüchtern bestimmte Blutwerte
Die folgenden Bereiche sind in deutschen Laboren gebräuchlich, gelten für Erwachsene und beziehen sich auf eine nüchterne Blutentnahme. Sie dienen der Orientierung – maßgeblich ist immer der Bereich, der auf Ihrem eigenen Befund direkt neben dem Ergebnis abgedruckt ist.
| Parameter | Referenzbereich | Einheit | Nüchternheit |
|---|---|---|---|
| Glukose im Plasma | 70 bis 100 | mg/dl | erforderlich |
| Glukose im Plasma | 3,9 bis 5,5 | mmol/l | erforderlich |
| Triglyzeride | unter 150 | mg/dl | empfohlen |
| Gesamtcholesterin | unter 200 | mg/dl | optional |
| HDL-Cholesterin | über 40 (M) / über 50 (F) | mg/dl | optional |
| HbA1c | unter 5,7 (unter 39 mmol/mol) | % | nicht nötig |
| Harnsäure | 3,4 bis 7,0 (M) / 2,4 bis 5,7 (F) | mg/dl | empfohlen |
Ein Ergebnis knapp außerhalb des Referenzbereichs bedeutet zudem nicht automatisch Krankheit: Die Bereiche umfassen definitionsgemäß die mittleren 95 Prozent einer gesunden Vergleichsgruppe, sodass etwa jeder zwanzigste gesunde Mensch danebenliegt. Warum das so ist, erklärt Referenzwerte verstehen: Warum „normal“ relativ ist.

Die richtige Tageszeit für die Blutabnahme
Blutwerte folgen einem Tagesrhythmus. Viele Referenzbereiche wurden an morgens entnommenen Proben ermittelt, deshalb ist der frühe Vormittag – etwa zwischen 7 und 9 Uhr – der Standardzeitpunkt. Wer regelmäßig kontrolliert wird, sollte den Termin immer in dasselbe Zeitfenster legen: Nur dann sind Verläufe vergleichbar.
- Cortisol: morgens am höchsten, am späten Abend nur ein Bruchteil davon
- Serumeisen: kann im Tagesverlauf um mehr als 30 Prozent schwanken
- TSH: nachts und in den frühen Morgenstunden am höchsten, mittags am niedrigsten
- Testosteron: Bestimmung idealerweise zwischen 7 und 11 Uhr
Beim TSH-Wert und Schilddrüse macht das einen praktischen Unterschied: Eine Probe um 8 Uhr kann spürbar höher ausfallen als eine am Nachmittag entnommene, ohne dass sich an der Schilddrüsenfunktion irgendetwas geändert hätte. Auch bei Ferritin und Eisenspeicher lohnt ein festes Zeitfenster, weil vor allem das Serumeisen stark schwankt.
Sport, Alkohol und Ernährung in den Tagen davor
Körperliche Belastung
Intensiver Sport hinterlässt deutliche Spuren im Labor. Bei starker Muskelbeanspruchung tritt das Enzym Kreatinkinase (CK) aus den Muskelzellen aus; die Werte können noch zwei bis drei Tage später erhöht sein. Kurzfristig steigen außerdem die weißen Blutkörperchen, Kalium und Laktat. Verzichten Sie deshalb 24 Stunden vor der Blutabnahme auf intensives Training, nach Wettkampf oder erschöpfendem Krafttraining besser 48 bis 72 Stunden. Ein Spaziergang ist dagegen unproblematisch.
Auch die Leukozyten (weiße Blutkörperchen) steigen nach intensiver Ausdauerbelastung vorübergehend deutlich an – ohne dass eine Infektion dahintersteckt.
Alkohol
Alkohol verändert mehrere Werte gleichzeitig. Die Gamma-GT reagiert empfindlich und kann schon nach einem einzigen intensiven Abend ansteigen, Triglyzeride schnellen nach oben, und der Blutzucker kann in der Nacht danach absinken. Für eine aussagekräftige Bestimmung der Leberwerte: GOT, GPT, GGT und Bilirubin sollten Sie mindestens 24 Stunden, besser 48 bis 72 Stunden alkoholfrei bleiben.

Ernährung am Vortag
Eine Sonderdiät ist nicht nötig und sogar unerwünscht, denn der Befund soll Ihren üblichen Stoffwechsel abbilden. Sinnvoll ist nur, am Vorabend sehr fettreiche Mahlzeiten und Alkohol zu meiden. Wer kurz vor dem Termin eine strenge Diät beginnt, verändert Leberwerte, Harnsäure und Blutfette – und misst am Ende die Diät.
Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel
Die häufigste Sorge vor einer nüchternen Blutabnahme betrifft die Morgentabletten. Die Regel ist eindeutig: Setzen Sie verordnete Medikamente niemals eigenmächtig ab oder verschieben Sie sie eigenmächtig. Blutdrucksenker, Schilddrüsenhormone, Gerinnungshemmer oder Mittel gegen Epilepsie nehmen Sie wie gewohnt mit etwas Wasser ein. Ob im Einzelfall eine Ausnahme sinnvoll ist, entscheidet ausschließlich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Anders verhält es sich bei frei verkäuflichen Präparaten. Sie werden nicht ärztlich überwacht und können Messverfahren empfindlich stören:
- Biotin (Vitamin B7) in hoher Dosierung kann Schilddrüsen- und Herzwerte erheblich verfälschen; sprechen Sie eine Einnahmepause vorher ab
- Eisenpräparate lassen das Serumeisen kurzfristig ansteigen, die Einnahme sollte am Morgen der Abnahme ruhen
- Hochdosiertes Vitamin C kann einzelne Messreaktionen stören
- Kreatin als Sportlerpräparat erhöht den Kreatininwert und damit die geschätzte Nierenfunktion scheinbar
Bringen Sie am besten eine aktuelle Liste aller Präparate mit, Nahrungsergänzungsmittel eingeschlossen. Das kostet zwei Minuten und erspart im Zweifel eine zweite Blutabnahme.
So läuft die Blutabnahme ab
Der eigentliche Vorgang dauert selten länger als drei Minuten. Zu wissen, was in welcher Reihenfolge passiert, nimmt vielen Menschen einen Teil der Anspannung.
Identität und Auftrag prüfen
Name, Geburtsdatum und die angeforderten Untersuchungen werden abgeglichen, die Röhrchen werden beschriftet.
Bequem sitzen oder liegen
Sagen Sie vorher Bescheid, wenn Ihnen bei Blutabnahmen schon einmal schwindelig wurde – dann wird liegend abgenommen.
Stauen und desinfizieren
Ein Stauband am Oberarm füllt die Vene, die Einstichstelle wird desinfiziert und trocknet kurz ab.
Punktion und Entnahme
Die Nadel wird meist in eine Vene der Ellenbeuge eingeführt, die Röhrchen füllen sich nacheinander in festgelegter Reihenfolge.
Abdrücken und Pflaster
Nach dem Ziehen der Nadel drücken Sie die Stelle mit gestrecktem Arm zwei bis drei Minuten ab, dann kommt ein Pflaster darüber.

Ein Detail verdient besondere Aufmerksamkeit: das Stauband. Bleibt es länger als etwa eine Minute angelegt, steigen Kalium, Kalzium und Eiweiß in der Probe messbar an. Ebenso ungünstig ist kräftiges Pumpen mit der Faust – halten Sie die Hand ruhig.
Wie viel Blut wird abgenommen?
Für ein umfangreiches Laborprofil genügen meist 10 bis 30 Milliliter, verteilt auf zwei bis fünf Röhrchen mit unterschiedlichen Zusätzen. Zum Vergleich: Eine Blutspende umfasst 500 Milliliter. Für gesunde Erwachsene ist die Menge einer Routineabnahme ohne Bedeutung.
Präanalytik: Warum die Vorbereitung über die Qualität entscheidet
Fachleute nennen alles, was vor der eigentlichen Messung geschieht, die präanalytische Phase: Vorbereitung, Entnahme, Transport und Lagerung der Probe. Untersuchungen aus der Labormedizin zeigen seit Jahren übereinstimmend, dass rund 60 bis 70 Prozent aller fehlerhaften Laborergebnisse in dieser Phase entstehen – nicht im Analysegerät. Das ist im Grunde eine gute Nachricht, denn ein großer Teil davon lässt sich mit einfachen Mitteln vermeiden.
| Fehlerquelle | Mögliche Auswirkung | So vermeiden Sie es |
|---|---|---|
| Nicht nüchtern erschienen | Blutzucker und Triglyzeride zu hoch | 8 bis 12 Stunden Karenz |
| Zu wenig getrunken | Hämoglobin und Eiweiß zu hoch | Morgens Wasser trinken |
| Sport am Vortag | Kreatinkinase und Kalium erhöht | 24 bis 48 Stunden pausieren |
| Stauband zu lange angelegt | Kalium und Eiweiß falsch hoch | Nach dem Einstich lösen |
| Pumpen mit der Faust | Kalium deutlich erhöht | Hand ruhig halten |
| Hämolyse in der Probe | Kalium und LDH falsch hoch | Schonende Entnahmetechnik |
| Alkohol am Vorabend | Gamma-GT und Triglyzeride erhöht | Mindestens 24 Stunden Karenz |
Hämolyse bedeutet, dass rote Blutkörperchen in der Probe zerfallen und ihren Inhalt in das Serum abgeben. Das Labor erkennt das an der rötlichen Färbung und gibt betroffene Werte oft gar nicht heraus. Wenn Sie hören, ein Wert sei „nicht bestimmbar“ gewesen, steckt häufig genau das dahinter – kein alarmierender Befund. Wie Sie solche Kürzel deuten, zeigt Laborbefund richtig lesen.

Auch der Weg der Probe zählt: Manche Parameter müssen rasch gemessen oder gekühlt transportiert werden. Frühe Termine sind deshalb doppelt günstig – die Proben erreichen den regulären Kurierlauf zum Labor.
Angst vor der Nadel: was wirklich hilft
Etwa jeder zehnte Erwachsene empfindet deutliche Angst vor Spritzen und Blutabnahmen, ein Teil reagiert mit Kreislaufschwäche bis hin zur kurzen Ohnmacht. Das ist keine Charakterfrage, sondern ein körperlicher Reflex: Blutdruck und Herzfrequenz fallen kurz ab. Genau dagegen lässt sich etwas tun.
- Sagen Sie es vorher. Wer weiß, dass Sie empfindlich reagieren, nimmt Ihnen liegend Blut ab – dann kann beim Kreislaufabfall nichts passieren.
- Trinken Sie ausreichend Wasser. Das stabilisiert den Kreislauf und macht die Venen besser sichtbar.
- Schauen Sie weg und atmen Sie ruhig weiter. Luft anhalten verstärkt den Blutdruckabfall.
- Spannen Sie große Muskelgruppen an: Beine, Bauch und den freien Arm rund 15 Sekunden anspannen, kurz lösen, wiederholen.
- Legen Sie den Termin auf den Vormittag. Nüchtern, müde und am späten Nachmittag ist die ungünstigste Kombination.

Für Kinder gibt es betäubende Pflaster oder Cremes, die etwa eine Stunde vorher aufgebracht werden – fragen Sie in der Praxis danach. Ablenkung und eine ruhige, ehrliche Ankündigung wirken besser als eine Überraschung im letzten Moment.
Nach der Blutabnahme: worauf Sie achten sollten
Drücken Sie die Einstichstelle direkt nach der Entnahme zwei bis drei Minuten fest ab, ohne den Arm zu beugen. Das Beugen verschiebt den Druckpunkt und ist der häufigste Grund für einen blauen Fleck. Wer Gerinnungshemmer einnimmt, drückt entsprechend länger.
- Bleiben Sie noch fünf Minuten sitzen, wenn Ihnen leicht schwindelig ist
- Essen und trinken Sie danach etwas, besonders nach einer langen Nüchternphase
- Verzichten Sie am selben Tag auf schweres Heben mit dem punktierten Arm
- Ein kleiner Bluterguss ist harmlos und verschwindet meist innerhalb weniger Tage
Standardwerte wie Blutbild, Blutzucker oder Entzündungsparameter liegen oft am selben oder am nächsten Tag vor, Spezialuntersuchungen dauern länger. Fragen Sie beim Termin nach, wie Sie den Befund erhalten.
Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten
Komplikationen sind selten, aber es gibt Situationen, in denen Sie die Praxis kontaktieren sollten:
- starke oder zunehmende Schmerzen, Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Arm
- eine große, rasch wachsende Schwellung an der Einstichstelle
- Rötung, Überwärmung oder Fieber in den Tagen nach der Abnahme
- anhaltende Kreislaufbeschwerden nach dem Termin

Und der wichtigste Punkt zum Befund selbst: Eine einzelne auffällige Zahl ist kein Urteil. Ein Wert außerhalb des Referenzbereichs kann Ausdruck einer Erkrankung sein, ebenso aber Folge von Ernährung, Sport, Medikamenten oder der natürlichen biologischen Streuung. Die Einordnung in den Zusammenhang aus Beschwerden, Vorgeschichte und körperlicher Untersuchung erfolgt ärztlich – digitale Hilfen und Auswertungen können dabei unterstützen, ersetzen das Gespräch aber nicht.
Fazit: Gute Vorbereitung ist die halbe Diagnostik
Nüchtern zur Blutabnahme zu erscheinen bedeutet in der Praxis: 8 bis 12 Stunden nichts essen, Wasser trinken ist erlaubt, verordnete Medikamente nehmen Sie wie gewohnt ein. Ergänzt um einen Vormittagstermin, 24 Stunden ohne intensives Training und ohne Alkohol sowie zwei Gläser Wasser vor dem Termin haben Sie praktisch alles getan, was in Ihrer Hand liegt.
Der kleine Aufwand lohnt sich, weil ein sauber gewonnener Wert eine belastbare Grundlage schafft: für die ärztliche Einschätzung, für den Vergleich mit früheren Befunden und dafür, dass Sie nicht wegen eines vermeidbaren Messfehlers ein zweites Mal im Wartezimmer sitzen.
- Nüchternzeit
- 8 Stunden Standard, 12 Stunden für Blutfette
- Erlaubt
- Wasser, ungesüßter Tee, verordnete Medikamente
- Beste Uhrzeit
- 7 bis 9 Uhr, bei Kontrollen immer gleich
- Sportpause
- 24 Stunden, nach Wettkampf 48 bis 72 Stunden
- Alkoholkarenz
- mindestens 24 Stunden vor dem Termin
Häufige Fragen
Wie lange muss man vor einer Blutabnahme nüchtern sein?
Für die meisten Untersuchungen gelten 8 Stunden ohne Nahrung als ausreichend. Sollen die Blutfette bestimmt werden, insbesondere die Triglyzeride, werden traditionell 12 Stunden empfohlen. Wasser dürfen Sie in dieser Zeit trinken, es zählt nicht als Nahrung. Länger als 14 bis 16 Stunden sollten Sie nicht fasten, weil der Stoffwechsel dann auf Fettverbrennung umstellt und dadurch andere Werte beeinflusst werden. Praktisch bedeutet das bei einem Termin um 8 Uhr: letzte Mahlzeit spätestens gegen 20 Uhr am Vorabend.
Darf ich vor der Blutabnahme Kaffee trinken?
Besser nicht. Auch schwarzer Kaffee ohne Milch und Zucker enthält Koffein, das Blutzucker, Blutdruck und einzelne Hormonwerte kurzfristig verändern kann. Mit Milch oder Zucker gilt Kaffee ohnehin eindeutig als Nahrungsaufnahme. Wenn Sie morgens etwas Warmes brauchen, ist ungesüßter Kräuter- oder Früchtetee die sicherere Wahl, sofern die Praxis nichts anderes vorgibt. Auf den gewohnten Kaffee können Sie direkt nach der Blutabnahme zurückgreifen.
Darf ich Wasser trinken, wenn ich nüchtern zur Blutabnahme muss?
Ja, ausdrücklich. Wasser enthält keine Kalorien und bricht die Nüchternheit nicht. Zwei bis drei Gläser am Morgen sind sogar hilfreich: Gut gefüllte Venen lassen sich leichter punktieren, der Kreislauf bleibt stabiler, und die Blutprobe ist weniger eingedickt. Bei Flüssigkeitsmangel können Hämoglobin, Hämatokrit und Gesamteiweiß scheinbar erhöht ausfallen. Wichtig ist nur, dass das Wasser ungesüßt ist – Saftschorlen, Limonaden oder gesüßter Tee zählen als Nahrung.
Muss ich für ein Blutbild nüchtern sein?
Für ein kleines oder großes Blutbild ist Nüchternheit in aller Regel nicht erforderlich. Die Zahl und Beschaffenheit der roten und weißen Blutkörperchen sowie der Blutplättchen ändert sich durch eine Mahlzeit kaum. Häufig wird das Blutbild aber gemeinsam mit anderen Parametern angefordert, etwa Blutzucker oder Blutfetten, und dann richtet sich die Vorbereitung nach dem empfindlichsten Wert im Auftrag. Wenn Sie unsicher sind, welche Untersuchungen geplant sind, erscheinen Sie sicherheitshalber nüchtern.
Darf ich meine Medikamente vor der Blutabnahme einnehmen?
Verordnete Medikamente nehmen Sie grundsätzlich wie gewohnt ein, mit etwas Wasser. Das eigenmächtige Weglassen einer Tablette kann deutlich riskanter sein als ein beeinflusster Laborwert, etwa bei Gerinnungshemmern, Blutdruckmitteln oder Präparaten gegen Epilepsie. Nur die Ärztin oder der Arzt entscheidet, ob im Einzelfall eine Einnahme verschoben werden soll. Anders sieht es bei frei verkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln aus: Hochdosiertes Biotin oder Eisenpräparate können Messwerte stören und sollten vorher besprochen werden.
Wie lange vor der Blutabnahme sollte man keinen Alkohol trinken?
Mindestens 24 Stunden, vor der Kontrolle von Leberwerten besser 48 bis 72 Stunden. Alkohol lässt vor allem die Gamma-GT ansteigen, erhöht die Triglyzeride und kann den Blutzucker in der Nacht danach absenken. Schon ein einzelner intensiver Abend kann Werte verändern, die dann als auffällig gelten, ohne dass eine Erkrankung dahintersteckt. Wenn Sie am Vorabend doch Alkohol getrunken haben, sagen Sie es beim Termin – das erspart unnötige Nachkontrollen und Fehldeutungen.
Was passiert, wenn ich aus Versehen gegessen oder getrunken habe?
Sagen Sie es unbedingt vor der Blutentnahme, statt es zu verschweigen. Je nach angeforderten Werten ist das Ergebnis dann trotzdem verwertbar, oder der Termin wird verschoben. Ein nicht als solcher erkannter, nicht nüchterner Blutzuckerwert kann dagegen zu unnötigen Folgeuntersuchungen oder zu einer falschen Einschätzung führen. Für Blutbild, HbA1c, Entzündungswerte oder Schilddrüsenwerte spielt eine Mahlzeit meist keine wesentliche Rolle, für Glukose und Triglyzeride schon.
Was hilft gegen Angst und Kreislaufprobleme bei der Blutabnahme?
Sagen Sie vorher Bescheid, wenn Ihnen bei Blutabnahmen schon einmal schwarz vor Augen wurde – dann wird liegend abgenommen, und ein Kreislaufabfall bleibt folgenlos. Wirksam ist außerdem das wiederholte Anspannen großer Muskelgruppen: Beine und Bauch etwa 15 Sekunden anspannen, lösen, wiederholen. Trinken Sie ausreichend Wasser, atmen Sie ruhig weiter statt die Luft anzuhalten, und schauen Sie beim Einstich weg. Für Kinder gibt es zusätzlich betäubende Pflaster oder Cremes, die etwa eine Stunde vorher aufgebracht werden.
Quellen und weiterführende Informationen
Für diesen Beitrag haben wir öffentlich zugängliche Informationen medizinischer Fachgesellschaften und Institutionen ausgewertet. Stand der Recherche: 13.08.2026.
- Blutuntersuchungen: Ablauf, Vorbereitung und Aussagekraft – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Präanalytik und Qualitätssicherung in der Labormedizin – Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL)
- Richtlinie zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen – Bundesärztekammer
- Leitlinien zu Diagnostik und Laboruntersuchungen – Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
- Definition und Diagnostik des Diabetes mellitus – Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
- Diagnostik und Bewertung von Blutfettwerten – Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
- Leberwerte und Einfluss von Alkohol auf Laborbefunde – Deutsche Leberstiftung
- Blood specimen collection and laboratory testing basics – National Institutes of Health (NIH)